Angriffspressing, Mittelfeldpressing, Abwehrpressing: die Pressinghöhen erklärt
Vorne läuft ein Team wild an, zwanzig Meter weiter hinten lässt es den Gegner plötzlich in Ruhe. Das ist kein Zufall. Es ist die Pressinghöhe. Hier siehst du, welche es gibt und welche zu deiner Mannschaft passt.
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Was ist die Pressinghöhe?
Die Pressinghöhe beschreibt, wo auf dem Platz deine Mannschaft beginnt, den ballführenden Gegner gemeinsam unter Druck zu setzen. Man unterscheidet grob drei Höhen: Angriffspressing weit vorne, Mittelfeldpressing rund um die Mittellinie und Abwehrpressing vor dem eigenen Strafraum.
Die Pressinghöhe zeigt, wo dein Team Druck machen will. Wann es anläuft, entscheiden Ballposition und Pressingauslöser. Die Einteilung folgt grob den drei Dritteln des Spielfelds. Die genaue Linie legt jeder Trainer selbst fest, oft an einer Markierung wie der Mittellinie oder der Strafraumgrenze.
Wichtig: Die Pressinghöhe ist keine feste Eigenschaft einer Mannschaft. Viele Teams wechseln sie im Spiel. Wer führt, steht vielleicht tiefer. Wer zurückliegt, presst höher. Und beim Abstoß des Gegners gelten oft andere Regeln als im laufenden Spiel.
Angriffspressing: Druck im Drittel des Gegners
Beim Angriffspressing, auch hohes Pressing genannt, läuft deine Mannschaft den Gegner schon in seinem eigenen Drittel an. Die Stürmer gehen auf die Innenverteidiger, das Mittelfeld schiebt nach und stellt die kurzen Passwege zu. Das Ziel: den Ball nah am gegnerischen Tor gewinnen. Von dort ist der Weg zum Abschluss kurz.
Stärken: Gutes Angriffspressing stört den Aufbau, erzwingt oft lange Bälle und bringt Ballgewinne in Tornähe.
Schwächen: Es kostet viel Kraft. Überspielt der Gegner die erste Pressinglinie, wird dahinter oft viel Raum frei. Steht auch deine Abwehr hoch, sind Tiefenpässe besonders gefährlich. Deshalb muss die Mannschaft eng zusammenbleiben und die letzte Linie mitschieben.
Das Board stammt aus Tag 4 im Taktikblick: ein 4-4-2 im Pressing.
Mittelfeldpressing: erst ab der Mittellinie
Beim Mittelfeldpressing lässt dein Team den Gegner zunächst aufbauen. Es steht kompakt um die Mittellinie herum, schützt das Zentrum und wartet auf den passenden Moment zum Anlaufen. Kommt der Ball in diesen Bereich, geht es los. Oft wird der Gegner dabei auf eine Seite gelenkt, wo die Seitenlinie mithilft.
Stärken: Die Abstände zwischen den Linien bleiben klein. Der Raum hinter der Abwehr ist kleiner als beim Angriffspressing. Nach dem Ballgewinn ist trotzdem noch Platz für einen Konter.
Schwächen: Der Gegner hat hinten Zeit und kann sich in Ruhe den besten Pass aussuchen. Ballgewinne passieren weiter weg vom gegnerischen Tor.
Wie dein Stürmer dabei den Pass ins Zentrum zustellt, steht auf der Seite Deckungsschatten.
Abwehrpressing: tief stehen, kompakt verteidigen
Beim Abwehrpressing zieht sich deine Mannschaft weit zurück. Der Druck beginnt erst kurz vor dem eigenen Strafraum. Die Spieler stehen eng zusammen, in einem tiefen Block. Der Gegner kann weit nach vorne kommen. Steht dein Team kompakt, findet er dort schwerer Lücken.
Stärken: Hinter der Abwehr ist kaum Platz für Steilpässe. Wer schnelle Spieler vorne hat, kann nach dem Ballgewinn mit viel Raum kontern.
Schwächen: Der Gegner kommt nah ans eigene Tor. Flanken, Distanzschüsse und Standards werden gefährlicher. Und der Weg zum gegnerischen Tor ist lang.
Woran erkennst du, wann gepresst wird?
Gute Mannschaften laufen nicht einfach los. Sie warten auf einen Pressingauslöser, ein vorher abgesprochenes Signal. Typische Auslöser:
- ein Rückpass zum Torwart oder Innenverteidiger
- ein Pass auf den Außenverteidiger an der Seitenlinie
- eine schlechte Ballannahme
- ein Gegenspieler, der mit dem Rücken zum Spielfeld steht
Kommt der Auslöser, reagiert das ganze Team: Einer läuft an, die anderen verschieben und sichern ab. Das ist wichtiger als die Höhe selbst. Ein Spieler allein läuft nur hinterher.
Und bei deiner Mannschaft?
Leg vor dem Spiel eine Linie fest, zum Beispiel die Mittellinie: Bis hierhin lassen wir den Gegner kommen, ab hier gehen wir drauf. Das ist Mittelfeldpressing, und das verstehen auch Jugendspieler schnell. Die Abstände bleiben klein, und keiner muss über den ganzen Platz laufen.
Wenn das sitzt, nimm einen Auslöser dazu: Spielt der Gegner zurück zum Torwart, schiebt dein Team gemeinsam nach vorne, und die Abstände bleiben kompakt. So lernt deine Mannschaft Schritt für Schritt, die Höhe im Spiel zu verändern. Für die Besprechung zeichnest du die Linien in der Taktikapp ein, als Zonen in drei Farben wie auf dem Board oben.
Wer das Angriffspressing mit der ganzen Mannschaft einüben will, findet im Online-Kurs Angriffspressing von 1x1SPORT die Abläufe Schritt für Schritt.
Deine Trainer-Challenge
Schau beim nächsten Spiel 15 Minuten nur auf das Pressing einer Mannschaft. Wo laufen sie aggressiv an? Wo ziehen sie sich zurück? Und was passiert direkt davor, ein Rückpass, ein Pass nach außen? So siehst du schnell, ob hinter dem Pressing ein Plan steckt.
Häufige Fragen zu den Pressinghöhen
Was ist der Unterschied zwischen Angriffspressing und Gegenpressing?
Angriffspressing beschreibt, wo deine Mannschaft presst: weit vorne, im Drittel des Gegners, meist wenn er von hinten aufbaut. Gegenpressing beschreibt, wann sie presst: direkt nach dem eigenen Ballverlust, egal wo auf dem Platz. Beides kann zusammenfallen, etwa wenn du den Ball vorne verlierst und sofort nachsetzt. Es sind aber zwei verschiedene Fragen.
Welche Pressinghöhe ist die beste?
Eine beste gibt es nicht. Angriffspressing bringt Ballgewinne nah am gegnerischen Tor, kostet aber viel Kraft und lässt hinter der Abwehr Platz. Abwehrpressing ist sicherer gegen Bälle in die Tiefe, dafür ist der Weg zum gegnerischen Tor lang. Viele Teams wechseln im Spiel zwischen den Höhen, je nach Gegner, Spielstand und Kraft.
Was ist Mittelfeldpressing?
Beim Mittelfeldpressing lässt deine Mannschaft den Gegner zunächst aufbauen und schützt das Zentrum. Der Druck beginnt erst rund um die Mittellinie. Dein Team steht kompakt, die Abstände zwischen den Linien sind klein. Dadurch ist der Raum hinter deiner Abwehr kleiner als beim Angriffspressing, und du hast trotzdem noch Platz für Konter nach dem Ballgewinn.
Was ist ein Pressingauslöser?
Ein Pressingauslöser ist ein vorher abgesprochenes Signal, auf das die ganze Mannschaft gemeinsam anläuft. Typische Auslöser sind ein Rückpass, ein Pass auf den Außenverteidiger an der Seitenlinie, eine schlechte Ballannahme oder ein Gegenspieler, der mit dem Rücken zum Spielfeld steht. Wichtig ist, dass alle denselben Auslöser kennen, sonst läuft einer allein.
Welche Pressinghöhe passt im Jugendfußball?
Bei älteren Jugendteams ist das Mittelfeldpressing oft ein guter Einstieg. Die Regel ist einfach: Ab der Mittellinie gehen wir drauf. Jüngere Kinder lernen gemeinsames Verteidigen zuerst in kleinen Spielformen. Die Kinder müssen nicht über den ganzen Platz laufen, und die Abstände bleiben überschaubar. Später kannst du einzelne Situationen höher pressen lassen, zum Beispiel beim Abstoß des Gegners. Wichtiger als die Höhe ist, dass alle gemeinsam starten.
14 Tage Taktik, jeden Tag eine Mail
Wo sich das Pressing ändert, ist das Thema von Tag 1 im Taktikblick. Danach geht es um Drittel und Spuren, Formationen, Zwischenlinienraum, Deckungsschatten, Abstände und Restverteidigung. Fast jede Mail mit Board und einer Aufgabe fürs nächste Spiel.
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